„Ich bin hier für Europa“ – Pulse of Europe in München

Menschenkette am Ende der Veranstaltung

Seit einigen Wochen treffen sich jeden Sonntag Menschen, die für die EU demonstrieren. Sie nennen sich Pulse of Europe. Wenn man sich in der Menge umschaut, sieht man viele Menschen. Die meisten sind sehr alt oder sehr jung. Rentner und ihre Enkel. Jugendliche waren kaum anwesend.

Sie schwärmen vom alten Europa der offenen Grenze, wie es schon lange nicht mehr existiert. Fragt man die Teilnehmer über die Gründe der Teilnahme an der Versammlung, antworten diese meist: „Für Europa“. Zunächst spezifizieren sie das nicht. Unter „Europa“ verstehen die meisten Teilnehmer eines der offenen Grenzen, des Austauschs und der Völkerverständigung.

Die Festung Europa sehen die Teilnehmer kritisch, lehnen sie aber nicht vollständig ab. Sie sollte durchlässiger sein, meint ein älterer Demonstrant. Eine andere Frau sagt: „Es kommt darauf an, was man darunter versteht.“ Ob es eine Abschottung vom Rest der Welt oder ob es heißt, dass wir zusammenstehen.

Einige haben auch Kritik an der aktuellen EU. Manche andere wollen die aktuelle EU nicht kritisieren und nehmen hin, dass sie nicht so ist, wie sie sich erträumen. Denn es könnte ja schlimmer sein. Die Teilnehmer sind eben unpolitisch und beschäftigen sich nicht mit Politik. Sie haben nur wenig Ahnung über den aktuellen Kurs der EU. Sie glauben weiter an den Traum des vereinten Europas.

Der Rechtsruck in Europa ist ein großes Problem und eine Rückkehr in Nationalismen würde ein Problem darstellen. In dieser Aussage sind sich die Demonstranten einig.

Weitere Probleme sehen ein paar wenige Teilnehmer an der fehlenden Bürgernähe. Sie würden sich ein wenig mehr Mitbestimmung wünschen. „Sie ist zu administrativ“ und zu wirtschaftsfreundlich.
Über die Festung Europa sagt ein Demonstrant: „Es ist ein Kampf“. Zwischen Menschlichkeit und Schutz und wirtschaftlichem Wohlstand. „Ich würde viele Öffnungsmöglichkeiten schaffen“ sagt er weiter. Er ist ehemaliges Mitglied der Jungen Union, verließ die Partei aber nach Uneinigkeiten mit Franz-Josef Strauß. Über JU sagt er, sie sei „zu eng, zu eng konservativ“.

Ein ehemaliger Lehrer, der mittlerweile unpolitisch ist, aber in den „goldenen 60ern“, wie er sie nennt, sehr aktiv in der APO war. Er sieht Parallelen zwischen der heutigen Zeit und zum späten Weimar. Er wünscht sich nicht nur, dass es mit der EU so weiter geht, sondern auch keinen neuen Nationalismus. „Wir wissen ja, wohin das geführt hat.“ Die Jugend muss seiner Meinung nach aktiv sein. „Nicht wir Alten sind gefragt (…), sondern die Jugend“. Über Frontex sagt der Mann, es würde Leben retten. Und die Schlepper seien gefährlich. Als Fluchtursachen nennt er: Klimaveränderung, Korruption in den Ländern Afrikas und die Wirtschaftspolitik der EU-Staaten.

Teilnehemer stimmen über Zukunft der EU ab

Zwischendrin gab es Abstimmung, wie eine EU der Zukunft aussehen soll. Es gab drei Möglichkeiten: Ein Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten, eine EU, die so beibehalten wird und die Vereinigten Staaten von Europa. Zirka ein Viertel der Menschen auf dem Münchner Max-Josephs-Platz stimmten für ein Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten. Der Rest und ein paar mehr sprachen sich per Handzeichen für eine Lösung à la Vereinigten Staaten von Europa aus.

Zusammengefasst lässt sich über die Veranstaltung sagen: Die Teilnehmer sind unpolitisch und naiv. Sie glauben an den Traum des vereinten Europas und glauben, dass diese EU ihn erfüllt. Jugendliche sind kaum welche anwesend. Man könnte also sagen: Pulse of Europe ist eine Rentnerbewegung, welche keine Verbesserungsvorschläge oder allgemein Vorschläge hat.

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