Kleine Ausschreitungen am Rande der Demo gegen Polizeigewalt und Rassismus in Paris

Am 19. März haben sich über 10.000 Menschen in Paris versammelt. Ihr Anliegen war ganz klar: Nein zur Polizeigewalt und zum Rassismus. Die Spitze der Demo bildeten die Familien der Opfer der Polizeigewalt. So mancheR VerwandteR war überwältigt und weinte. Der Protest wurde von etlichen Organisationen, Antifagruppen, Ultragruppen und ähnlichem unterstützt. Vernetzungsmäßig ist diese Demo wahrscheinlich ein Schritt für mehr. Die französische Opposition ist in Sachen Vernetzung ohnehin schon viel besser aufgestellt als die Linke in Deutschland. Die Proteste gegen die Loi Travail, welche vor allem von den Gewerkschaften getragen wurden, sind dafür ein Beweis. Eine Million Menschen an einem Tag in einer Stadt auf die Straße zu bringen. Das gab’s in Deutschland beispielsweise noch nie. In Paris war das letzten Sommer.

Wie zu erwarten, gab es Kontrollen, um zur Demo zu gelangen. Dabei kontrollieren die Beamten alles. Von Kopf bis Fuß. Wenn sie was finden, nehmen sie es mit und es verschwindet in einem Archiv. Das können ein Schutz gegen Tränengas oder ähnliches sein. Im Sommer wurden AktivistInnen sogar festgenommen, weil sie Augentropfen dabei hatten. JournalistInnen wird oft genug auch eine Gasmaske oder ähnliches Schutzmaterial abgenommen. EinE DemonstrantIn kann weiterlaufen, einE JournalistIn muss stehen bleiben und die Szene dokumentieren. Und Tränengas tut weh …

An der Spitze waren zwei Reihen an Gendarmes positioniert. Vor ihnen die Einsatzwägen. Ein Demonstrant meinte: „Das kann doch eigentlich nicht sein. Demo heißt doch: Die halten die Straße frei, damit wir demonstrieren können.“ Deutsche AktivistInnen, die zum ersten Mal in Frankreich demonstrieren, werden verwundert sein: Vorne und hinten sind Polizisten. Kein Wanderkessel für den Schwarzen Block, keine Begleitung der DemonstrantInnen. In den Nebenstraßen steht aber immer eine Gruppe an CRS (vergleichbar mit dem USK), die den Weg versperrt. Helm tragen sie dabei eigentlich immer. Frauen sind in diesen Einheiten fast so selten wie in einem Männergefängnis. Die wenigen Frauen, die da sind, übernehmen dann aber eine eher führende Rolle. Das führt dazu, dass sie auch ab und zu von Demonstranten getrollt werden.

So war die Demo von der Polizeipräsenz her eher klein. Die Polizeiführung hatte sich vermutlich darauf verständigt, sehr deeskalativ zu agieren. Auf die ersten Böller und Steine wurde nicht reagiert. Erst später kam das Tränengas. Trotzdem filmte ein junger Gendarme mindestens zu Beginn die JournalistInnen. Dass nicht die Demo gefilmt wurde, war insofern klar, dass sich diese mehr als 150 Meter entfernt befand. Pressefreiheit? Außerdem haben sich – wie ein Video von TaranisNews beweist – drei falsche Journalisten eingeschlichen. In letzter Zeit geschieht dieses illegale Verhalten häufiger.

Von allen Seiten der Demo gab es eine sehr kämpferische Stimmung. Egal, ob Black Bloc oder Gewerkschaften: Die Stimmung war gut, denn es ging um etwas. Auch bei den Familien mit kleinen Kindern. Davon gab es auch einige. Die Protestierenden waren alle bunt durchmischt. Von Jung bis Alt. Von Weiß über „Beures“ (arabischer Herkunft) zu People of Color. Und natürlich Frauen und Männer. Alle waren da.

Ein sehr kleiner Block, kurz vor dem riesigen schwarzen war besonders. Es waren zirka ein Dutzend junge AktivistInnen. Alle gleich gekleidet. Alle hatten zur Vermummung ein rotes Tuch mit Hammer und Sichel. Einige trugen die gelb-rote Flagge. Es waren die MaoistInnen. Eine französische Version des Jugendwiderstands. Sie haben sicherlich nicht viel Einfluss, wenn sie nur ein Dutzend junge Menschen in ihren Block mobilisieren können.

Der Antifa-Block war dann sehr groß. Vor ihm waren zwei junge Männer, die jeweils eine riesige Flagge schwenkten. Zum einen eine Afaflagge, die fast so groß wie der Block war. Zum anderen eine riesige palästinensische. In Frankreich gibt es innerhalb der Linken keine UnterstützerInnen des Imperialismus. Dort herrscht internationale Solidarität. Blind sind sie deshalb nicht. Antisemitismus wird auch hier konsequent bekämpft. So versuchen französische Neonazis bzw. Faschisten in Propagandafilmchen oder gar Dokus, eine Nähe der Antifa zum Zionismus und Kapitalismus zu beweisen. Liest mensch aber die Seiten der AFA-PB (Antifa Paris-Banlieue) oder an diese nahe stehende wird schnell klar, dass zwischen Zionismus und Judentum unterschieden wird. Das versuchen FaschistInnen, in Frankreich wie sonst überall gleichzusetzen. Dabei kritisieren sie gar nicht den Zionismus an sich. Sie benutzen das Wort Zionist als Chiffre für Jude.

Als Reaktion auf einen Tweet von lintention, gab es aus der französischen extremen Rechten viel Kritik. Es ging um die Palästinafrage. Auf dem Foto ist eine sehr bekannte Aktivistin zu sehen. Auf dem Banner wird zum Boykott aufgerufen. Die Le Pen- und Trump-Fans sind entsetzt über solche Menschen und würden am liebsten gleich alles verbieten. Sie schrieben in einem „Danke Hollande“-Ton, den auch Lutz Bachmann gerne mit Merkel verwendet. Von antideutschen AktivistInnen kamen auf Twitter ziemlich ähnliche Reaktionen auf die gazasolidarischen Parolen aus dem Black Bloc. Die französischen AktivistInnen skandierten den überall in Europa üblichen Spruch: „Wir sind alle Kinder von Gaza!“

Insgesamt verlief der Protest sehr friedlich. Ein paar wenige LinksextremistInnen, die sich aus dem schwarzen Block rausschlichen, wurden gewalttätig. Sie schmissen Steine, Flaschen, Brandsätze und Feuerwerkskörper auf die CRS. Vor der Eskalation gab es am Rande des Blocks Streitereien über die Absichten einiger Autonomer. Es war wirklich nur eine kleine Gruppe an Autonomen, die gewalttätig wurden. Der Rest war friedlich und wünschte sich auch keine Eskalation. Die Polizei reagierte zunächst kaum auf die SteinewerferInnen. Sie wichen zurück und versuchten sich zu schützen. Später als die Situation eskalierte, schossen sie Tränengas und Blendgranaten. Dabei war die Sicht teilweise so schlecht als bei sehr dichtem Nebel.

Im Anschluss an die Demonstration fand auf dem Platz der Republik ein Konzert statt. Dieser war bis zum Ende von Polizei umzingelt. Dieses ging gegen Mitternacht zu Ende.

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